Geschichten aus dem Verein

Elektroflugwettbewerb vom 04. September  2004   Erinnerung an die H 401 Kestrel
organisierter Flugmodellsport in Schkeuditz   Entwicklung der Sendetechnik
Wer zu hoch hinaus will... v. Peter Westphal    



Historischer Abriss über Sendetechnik der Schkeuditzer Fernlenkmodellflieger seit den 50´er Jahren

  1. Angeregt von der Zeitschrift „Funktechnik“ im Jahre 1952 entstand der erste Fernsteuersender unter Verwendung eines ehemaligen Wehrmachtsfunkgerätes. Dieser Sender ist ein mit Röhren DL 94 betriebener Gegentaktsender mit etwa 2,5 - 3 Watt Leistung.
    Mit einem Kreisschalter wird der Sender abwechselnd eingetastet. Z.B. rechts - 0 - links - 0 - rechts - 0 - usw. Die verfeinerte Ausführung war dann schon ein „Knüppel“ für die Senderansteuerung. Gesteuert wurde nur das Seitenruder im Modell. Der Empfänger enthielt einen röhrenbestückten Pendelaudion, welcher bei Signaleinfall ein Relais betätigte. Dieses wiederum steuerte einen Schrittschalter an, der das Seitenruder bewegte. Die erforderliche Spannung für die Senderöhren wurde mittels einer damals noch handelsüblichen Anodenbatterie von 90 Volt bereitgestellt. Diese wurde im Sendegehäuse untergebracht.
  2. Etwa 1954 wurde ein Sender konzipiert, der durch Wegfall der Anodenbatterie wesentlich kleiner gestaltet werden konnte. Die hohe 90 Volt - Spannung für die Senderöhren wurde mittels eines Zerhackers durch Umwandlung aus einer Batteriespannung von 2,4 Volt erzeugt. Von diesem Sender sind keine Muster und bedauerlicherweise auch keine Bilder mehr vorhanden.
  3. 1955 wurde ein größeres Sendegerät gebaut, in dem der Gegentaktsender, die Zerhackerstufe, alle Batterien und sogar ein Servicekasten untergebracht waren. Mit diesem Sender, und dem von Gustl Franke konstruierten und gemeinsam erbauten 3 - Meter - Segler, konnten wir uns würdig zu den Republikmeisterschaften im Modellflug 1955 in Magdeburg sehen lassen.
  4. 1963 - 64 war die Fernlenkmodellfliegerei international soweit vorangeschritten, dass mit tonmodulierten Sendern mittels verschiedener ausgestrahlter Töne, Modelle ferngelenkt werden konnten. Mit dieser neuen Technik war es möglich, neben dem Seitenruder nun auch Höhen- und Seitenruder zu steuern. Dieser Entwicklung wollten wir uns nicht verschließen und konzipierten unseren ersten tonmodulierten Sender. Ein Trimmschalter aus einem ehemaligen Kriegsflugzeug bot sich dafür als idealer „Fernlenksteuerknüppel“ an.  In dieser Zeit entstand auch das Modell unseres Zlin - Trainers, welcher von unseren Modellbauern Helling, Kießig, Wenisch konzipiert und gebaut wurde.
  5. Die Fernsteuertechnik hatte sich nach 1964 schnell weiterentwickelt. In Westdeutschland entstand ein eigener Industriezweig, während in der DDR Modellfernsteuerungen als Konsumgüter quasi nebenbei hergestellt wurden. Erste Anfänge dazu leistete dabei unser Modellsportler K.-H. Helling, der zwischenzeitlich nach Dresden verzogen war. Die neue zukunftsorientierte Technik war eine volltransistorisierte Technik, wobei der Sender eine zyklisch pulsierende Frequenz von 27,72 MHz ausstrahlte. Jedem 1., 2. und 3. Impuls war eine bestimmte Steuerfunktion zugeordnet. Der Betrieb von Modellfernsteuerungen war zur damaligen Zeit nur Mitgliedern der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) vorbehalten. Diese Voraussetzung erfüllten wir, um eben unserem Hobby frönen zu können. Über die GST hatten wir Einblick in Fernsteuergeräte aus Westdeutschland und erhielten eines Tages ein Fernsteuergerät der Firma SIMPROP, das wir beschlossen nachzubauen. Wir bauten zwei Sender und zwei Empfangsgeräte. Anlässlich eines Besuches der Firma SIMPROP nach der Wende, stellten wir den Sender dort vor und überzeugten die Fachleute von unserem Können. Der Nachbau war uns so gut gelungen, dass einer der beiden Sender heute im Museum der Firma SIMPROP in Harsewinkel ausgestellt ist.
  6. In der DDR hatte die industrielle Fertigung von Modellfernsteuerungen ebenfalls begonnen. Als erstes Gerät dieser Art erhielt unsere Gruppe eine noch tonmodulierte Anlage der Firma SIMTON.
  7. In der Zwischenzeit hatte die Initiative unseres Modellsportfreundes K.-H. Helling Früchte getragen. Er hatte in Dresden die Fernsteueranlage DP 5 (Digital - Proportional – 5 Kanal) entwickelt und zur Produktion in der „PGH Elektromechanik Reinhartsgrimma“ verholfen. Viele dieser Anlagen wurden von der GST gekauft und an Organisationen verteilt, die Fernsteuertechnik betrieben.

Nach 1990:
Die Produktion der DP 5 wurde nach der Wende eingestellt. Zu dieser Zeit waren bereits die ersten programmierbaren Fernsteuerungen westlicher Anbieter auf dem Markt. Kaum eines dieser Geräte wird heute noch in Deutschland produziert.

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